Muttis Kuchenrezepte

Kuchenrezepte aus einer Zeit, in der man sich noch die Finger leckte…

Do it yourself

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Onkel Franz ist ein begnadeter Heimwerker (sagt er). Immer wenn er uns für ein paar Tage besucht, will er uns helfend zur Seite stehen.

An jenem verhängnisvollen Tag beauftragte ich ihn, eine Konsole unter dem Spiegel im Bad anzubringen. Also erschien er mit zwei großen, wohl gefüllten Handwerkskoffern und das Unheil nahm seinen Lauf. Mittels der guten neuen Laserwasserwaage wurde der genaue Standort angezeichnet, das Ganze kritisch gemustert und die hochwertige Bohrmaschine startklar gemacht. Da ich nicht stören wollte, verließ ich den Raum, um mir einen Kaffee zu gönnen. Bohrgeräusche machen mich immer nervös, da ich damit unmittelbar den Zahnarztbesuch verbinde.

Erleichtert trank ich den ersten Schluck, als aus dem Bad lautes Fluchen ertönte. Alarmiert raste ich zum Ort des Schreckens. Da stand Onkel Franz wie ein begossener Pudel (im wahrsten Sinn des Wortes) und versuchte, den Wasserstrahl zu stoppen, der aus der Wand schoss. Nachdem ich das Wasser abgesperrt und den Notdienst gerufen hatte, durfte ich 230,– Euro für den Retter in der Not bezahlen.

Ein anderes Mal half der angeheiratete Verwandte beim Umzug. Er pries sich als den Meister der Packkünste an. Also fing er an, meinen kleinen Fiat zu beladen und ich war ganz erstaunt, was in so ein kleines Auto reinpasst. Ich hatte schon ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich zuvor versucht hatte, seine Hilfe abzulehnen. Leider passierte dann doch ein winziges Missgeschick: Onkel Franz hatte noch eine Lücke entdeckt und die Leiter ganz oben in das Auto geschoben. Als die Heckklappe auf Anhieb nicht zuging, half er mit mehr oder minder sanftem Druck nach. Das wiederum hatte zur Folge, dass der Wagen zwar zu war, aber die Frontscheibe der Leiter nicht Stand gehalten hatte.

Nie vergessen werde ich den Sommer im letzten Jahr. Onkel Franz hatte sich angeboten, während unseres Urlaubs meinen Garten zu versorgen. „Bitte, nur gießen“ hatte ich ihn angefleht, „Du brauchst nicht mehr zu tun!“
Zum Glück hatte ich 14 Tage Zeit, meine Nerven zu erholen! Als wir nach hause kamen, präsentierte Onkel Franz voller Stolz sein Werk. „Ich habe noch ein bisschen aufgeräumt, Kindchen. Weißt du, ab und zu solltest du auch mal Unkraut jäten.“

Voll böser Vorahnung betrat ich mein kleines Paradies. Also eins musste man ihm lassen, er machte keine halben Sachen. Ich hatte im Internet seltene Blumensamen ersteigert und daraus über Wochen kleine Pflänzchen gezogen. Nach der Auswahl des richtigen Standortes wurden sie an einer der schönsten Stellen im Garten eingepflanzt und gehegt und gepflegt. Und genau dort war jetzt sorgfältig geharkte Erde zu sehen!

Wir haben zwar immer noch Kontakt zu Onkel Franz, aber lediglich zum Kaffee trinken. Schließlich wollen wir ihn ja schließlich nicht ausbeuten!

Eure Sylvia


Ein Kommentar

  1. Diese Geschichte hat mir den Abend gerettet.

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