Muttis Kuchenrezepte

Kuchenrezepte aus einer Zeit, in der man sich noch die Finger leckte…

Holunder – das schwarze Gold

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Eine liebe Bekannte von mir hatte uns letztes Jahr mit selbst gemachten Holundermarmeladen in verschiedenen Variationen versorgt. Dieses Jahr habe ich beschlossen: „Das kann ich auch!“ Jetzt ist Holunderzeit und nachdem meine Fahndung nach geeigneten Standorten abgeschlossen war, ging es auf die Pirsch.

An der von mir auserkorenen Stelle gab es etliche Holundersträucher, wobei meine Vorstellung von Strauch sich nicht mit diesen großen Exemplaren deckte. Offenbar war schon jemand vor mir auf die Idee gekommen, hier zu ernten, sodass die untere Region abgegrast war. Mir hatte auch niemand vorher gesagt, dass Holunder und Brennnesseln eng zusammen leben, sonst hätte ich garantiert keine offenen Schuhe getragen und mir Strümpfe angezogen. „Nur die dunklen Beeren ernten“ hatte meine Bekannte gesagt. Was ist aber mit den Dolden, die schwarze, rote und grüne Beeren tragen? Wenn ich die alle hängen ließ, würde ich ja gar keine Ausbeute machen. So suchte ich diejenigen aus, die ich für gut genug erachtete. Irgendwann machte sich bei der Suche der Geruch nach Wildschwein breit und ich beschloss, dass zu Experimenten der von mir gefüllte Korb reichte, wollte ich doch nicht diese possierlichen Tierchen stören.

Zu Hause angekommen wurden die Früchte (ist Holunder eine Frucht?) gewaschen und ich zog mit Hilfe einer Gabel die Beeren von den Dolden. Tochter und Mann kamen in die Küche: „Können wir dir helfen?“ Ich malte mir die lilafarbenen Tupfen aus, die anschließend meine Küche zieren würden und verzichtete dankend. Mein mir Angetrauter wollte sich dann nützlich machen, indem er mir zuschaute, was ich aber auch ablehnte. Als ich mir das Ergebnis meiner Bemühungen dann anschaute, sah ich im Sieb viele kleine Beeren mit vielen kleinen Stilen daran, worin sich auch noch grüne und rote Beeren tummelten. Also mal im Internet nachschauen, da findet man ja (fast) alles. Da stand dann unter anderem: „Die Beeren verlesen.“ Super, aber wie? Das war nicht detailliert beschrieben. Eine weitere Aussage war, dass man auf keinen Fall die grünen Beeren verwendet, da diese Blausäure enthalten. Ich sah schon die Überschrift in der Tageszeitung: „Familienmutter vergiftete ihre Familie mit Marmelade.“

Also rief ich meine Bekannte an, die mir leichtsinniger Weise ihre Hilfe angeboten hatte. „Mmmhhh, also Stile dürfen da nicht drin sein. Aber schütte die Holunderbeeren in eine Schüssel mit Wasser. Dann kommen die, die nicht gut sind nach oben und du kannst sie abschöpfen.“ Gesagt, getan. Aber irgendwie – meine Beeren kannten dieses System nicht. Es schwammen zwar einige oben, aber unten waren mindestens genau so viele, die ich nicht verwerten konnte. Also fing ich an, die Beeren einzeln zu sortieren und kam zu der Ansicht, dass Holunder der Kaviar unter den Früchten sein muss. Mir fiel meine Oma ein, die Preiselbeeren und Blaubeeren gesammelt hatte, was sicher mindestens genauso mühsam war. Wir (Haus)frauen von heute sind wahrscheinlich nur zu verwöhnt und ich beschloss, mich nicht unterkriegen zu lassen.

Nach unendlich langer Zeit hatte ich dann die 900 Gramm zusammen, die ich für mein Rezept brauchte. Der Rest des Marmeladekochens war ein Kinderspiel und das stolze Ergebnis von drei Gläsern überzeugte mich, dass sich die Arbeit gelohnt hatte. Ihr könnt sicher sein, dass jeder von mir bedroht wird, der mit dieser Marmelade nicht sorgsam umgeht und sie zu würdigen weiß! Übrigens der Holunder ist eine der ältesten Pflanzen der Welt, um den sich viele Mythen ranken. Holunder gilt als Heilpflanze, jedoch sollte man die Beeren auf keinen Fall roh verzehren. Sollte irgendjemand von euch Tipps für mich haben, wie das Ganze einfacher geht, würde ich mich freuen!

Eure Sylvia

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